Afrika steht vor tektonischer Spaltung – Forscher erwarten neues Ozeanbecken in 5 bis 10 Millionen Jahren

Der afrikanische Kontinent steht vor einer geologischen Veränderung von beträchtlichem Ausmaß, die ihn in nicht allzu ferner Zukunft in zwei getrennte Landmassen teilen könnte. Neue magnetische Daten liefern ein aktualisiertes Bild der Verschiebungen der Erdkruste unter Afrika und deuten auf ein langsames, aber stetiges Auseinanderreißen hin, das langfristig zur Entstehung eines neuen Ozeans führen kann.
Der ostafrikanische Grabenbruch – ein Riss von riesigem Ausmaß
Der ostafrikanische Grabenbruch ist das auffälligste Merkmal dieser tektonischen Veränderung. Dieser Riss zieht sich über etwa 6.437 Kilometer von Jordanien durch Ostafrika bis nach Mosambik und markiert die Stelle, an der sich die Erdkruste trennt. Die Breite des Grabens schwankt zwischen 48 und 64 Kilometern.
Besonders die Afar-Region ist ein kritischer Punkt, weil hier das Rote Meer und der Golf von Aden zusammenlaufen (bekannt als Triple Junction). Diese Gegend zeigt die frühesten Anzeichen des Kontinentalbruchs und ist außerdem von starker vulkanischer und seismischer Aktivität geprägt.
Was mit Seen und Ländern passieren könnte
Mit dem Fortschreiten des Grabens werden große Wasserreservoire wie der Malawisee und der Turkana-See voraussichtlich geteilt. Die mögliche Aufspaltung würde zwei geologisch unterschiedliche Landmassen schaffen: Die westliche umfasst Länder wie Ägypten, Algerien, Nigeria, Ghana und Namibia, die östliche Länder wie Somalia, Kenia, Tansania, Mosambik und einen bedeutenden Teil Äthiopiens.
Langsame, aber beständige Bewegung
Trotz der gewaltigen Folgen laufen diese Veränderungen für den Menschen sehr langsam ab. Das nördliche Segment des Risses bewegt sich mit nur 5 bis 16 Millimetern pro Jahr. Dr. Emma Watts, Geochemikerin an der Swansea University, betont: „Dieser Prozess, Afrika auseinanderzureißen, wird mehrere Millionen Jahre dauern, bevor er abgeschlossen ist.“ Insgesamt könnte die vollständige Teilung in etwa 5 bis 10 Millionen Jahre erfolgen, was die Geduld verdeutlicht, die geologische Prozesse verlangen.
Alte Messungen liefern neue Hinweise
Magnetische Daten aus den Jahren 1968 und 1969, die lange kaum beachtet wurden, sind mit modernen Techniken neu ausgewertet worden. Diese „wiederentdeckten“ Messungen, veröffentlicht im Journal of African Earth Sciences, zeigen neue Details der im Gestein gespeicherten magnetischen Signaturen. Professor Peter Styles von der Keele University sagt dazu: „Diese Ergebnisse eröffnen eine besondere Perspektive darauf, wie unser Planet sich ständig verändert und sich direkt unter unseren Füßen verschiebt.“
Wie sich das Riftsystem weiterentwickelt
Das fortschreitende Auseinanderdriften ist ein klassisches Beispiel für die Plattentektonik: Kontinente sind nie festgeschraubt. Beim Rifting entlang des ostafrikanischen Grabens dehnt und schwächt sich die Erdkruste, ähnlich dem „Reißverschluss einer Jacke“, der sich langsam öffnet (wie Forscher es bildlich beschreiben). Begleitet wird diese Bewegung von intensivem vulkanischem und seismischem Geschehen, das für den Alltag meist unsichtbar bleibt.
Afrika durchläuft ohne Zweifel eine beeindruckende geologische Umgestaltung, die möglicherweise einige der tiefgreifendsten Veränderungen auf der Erde anstoßen wird. Auch wenn diese Prozesse langsam ablaufen, werden sie über Millionen von Jahren die Landschaft unseres Planeten deutlich verändern. Während die Erdkruste unsichtbar ihre Form ändert, bleibt sie ein erstaunliches Zeugnis der dynamischen und beständig veränderlichen Natur unseres Planeten.